Über den Dächern Los Angeles' ins Staunen geragten

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Das Quecksilber des Thermometers wagt sich kaum aus der Glaskugel ins Steigrohr, und blattlose Bäume stehen tief vereist in der Landschaft. Kurz, es ist Winter in Deutschland. Zudem sorgt die Corona-Pandemie für starke Einschränkungen im Alltag. Eigentlich der richtige Moment für eine Auszeit im sonnigen Kalifornien. Doch Reisebeschränkungen lassen den nächsten Urlaub weiter weg erscheinen als das exotischste Fernreiseziel.

Mit etwas Phantasie braucht auch jetzt niemand auf Summer-Feeling und Freiheit  zu verzichten. Denn digitale Reiseangebote erlauben es auch auf der heimischen Kaminbank ein wenig Urlaubsgefühl zu spüren. Dafür sorgen Tourismusregionen und Sehenswürdigkeiten mit besonderen Angeboten. Los Angeles macht hier keine Ausnahme. Eine Stadt, die, wenn ihr Name fällt, unweigerlich zu Kopfkino führt. Schnell tauchen vor dem inneren Auge Hollywood-Stars auf dem roten Teppich auf. Ebenso athletische Menschen unter Sonnenschirmen oder auf Surfboards, die an endlos anmutenden Stränden ihr Leben genießen - bevor sie den Tag bei schicken Dinnern oder in verruchten Spielhallen ausklingen lassen, bevor sie in sündhaft teure Villen zurückkehren.

Doch die Wahlheimat von Arnold Schwarzenegger hat abseits der gängigen Klischees noch eine Menge Überraschungen zu bieten. Eine davon ist ohne Zweifel das J. Paul Getty Museum im Hinterland der Stadt der Engel. Die private Sammlung ist Heimat eines facettenreichen Portfolios der bildenden Künste. Zusammengetragen wurden Antiken, Gemälde, Photografien und Skulpturen von dem Mann, der dieser Instituion ihren Namen gibt: Jean Paul Getty. Der einstmals reichste Mensch der Erde sah die Kunst als zivilisierenden Einfluss in der Gesellschaft und strebte danach, diese für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Getty kam im Dezember 1892 als Sohn eines Anwalts in Minneapolis zur Welt. Besonderer wirtschaftlicher Erfolg war ihm zunächst nicht zuzutrauen. Auf Grund seines nach damaligen Verhältnissen unsoliden Lebenswandels stellte ihm der selbst 10 Mio. Dollar schwere Vater lediglich 10.000 Dollar für eine Existenzgründung zur Verfügung und enterbte ihn ansonsten weitgehend. Mit Glück und Disziplin entwickelte Getty daraus den heute zu Chevron gehörenden Mineralöl-Konzern Getty Oil. Dieser brachte ihm bis 1966 ein Vermögen von über 1,6 Mrd. Dollar ein. Bei seiner weltweiten geschäftlichen Tätigkeit kam ihm seine außergewöhnliche Sprachkompetenz zu Gute. So sprach Getty fließend Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Arabisch und Russisch.

Bereits in den 1930-er Jahren entdeckte Getty seine Sammelleidenschaft. So trug er Werke von Rubens, Tizian, Gainsborough, Renoir, Tintoretto, Degas und Monet in seiner Villa oberhalb von Los Angeles zusammen. Diese überführte er Mitte der 1950-er Jahre in den Getty Trust. Ziel war es, die beeindruckenden Kunstwerke der Allgemeinheit zugänglich zu machen und so den Horizont der einfacheren Bevölkerung zu erweitern. Eine philantrope Haltung, die einen starken Kontrast zu anderen Facetten Gettys Persönlichkeit bildet. So wird der Milliardär von Zeitgenossen als extrem geizig beschrieben. Beispielsweise ließ er in seiner Villa einen Münzfernsprecher installieren, damit Gäste nicht kostenlos teure Telefongespräche führen konnten. Eine amüsant anmutende Anekdote - ganz im Gegensatz zu Gettys Rolle bei der Entführung seines Enkels im Jahr 1973. Über Monate hinweg weigert sich der Milliardär, seinen 17 jahre alten Nachfahren auszulösen. Erst als einer italienischen Tageszeitung das abgetrennte rechte Ohr des Teenagers zugeht, überweist der Milliardär 2,8 Mio. Euro Lösegeld an die bis heute unbekannten Entführer. Gleichzeitig lässt er dem befreiten Jungen ausrichten, dass es sich um ein Darlehen handele, das mit 4 Prozent Zins zurückzuzahlen sei.

Ob der eigenwillige Großvater am Ende alles auf Heller und Pfennig zurück bezahlt bekam, ist nicht überliefert. Fest steht allerdings, dass der 1976 verstorbene Getty den Grundstein für eine der bedeutendsten Kunstsammlungen gelegt hat. Gut 5 Mrd. US-Dollar Stammkapital besitzt die von ihm Mitte der 1950-er Jahre ins Leben gerufene Stiftung, die heute in der Getty-Villa und dem eigens vor den Toren der Welt-Metropole Los Angeles errichteten Getty Center eine Fülle sehenswerter Exponate zeigt. Der Eintritt ist, anders als Telefonate zu Lebzeiten des Mäzens, kostenlos. Besucher müssen lediglich 15 Dollar für ein Tages-Parkticket auf den Tisch legen - wenn Sie denn nicht mit Bahn oder Fahrrad anreisen oder zu Fuß kommen.

Zurzeit allerdings dürfte die Anreise wenig Sinn haben. Wer trotz der Corona-Reisebeschränkungen bis vor die Tore des Museums kommt, stellt fest, dass dieses geschlossen ist. Ebenso sind die sonst sehr beliebten kostenlose Konzerte auf dem Areal bis auf weiteres abgesagt, in den Parkanlagen ist niemand beim Picknick anzutreffen. Trotzdem lässt sich auch jetzt ein wenig vom Glanz der seltenen Exponate erhaschen. Sogar bequem von zu Hause aus - denn The J. Paul Getty Museum hat nun zwei seiner wichtigsten Ausstellungen digital umgesetzt. Auch der virtuelle Rundgang ist kostenlos, aber sicher nicht umsonst.

 

 

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